An die eigenen Ideen glauben
Im Games-Workshop auf der mediale* verrät der Pionier der deutschen Entwicklerszene Will Weber einige Kniffe des Gamedesigns und gibt Tipps für angehende Entwickler. Was in eine Präsentationsmappe gehört verrät er ebenso, wie die Erwartungen, die Entwicklerstudios an Bewerber stellen.
Sie heißen Epic Games, Lionhead, Blizzard, Bungie, Kojima Productions oder Crytek und viele junge Programmierer, Grafiker sowie Gamedesigner träumen davon in den Großraum-Entwicklerbüros der innovativsten Videospielentwickler zu arbeiten. Was benötigt man, um bei einem großen Entwicklerstudio Spiele entwerfen zu dürfen? Welche Qualifikationen muss man mitbringen und was muss man beachten um erfolgreiche Spiele zu designen? Diese Fragen interessierten die Gamedesign-Workshop-Teilnehmer am zweiten Tag der mediale*. Will Weber, Professor an der Hochschule Darmstadt und Agent für Videospielvertrieb, wusste darauf Antworten aus der Praxis.
„Ihr seid die Künstler, egal was andere denken, macht was ihr wollt!“, sagt Will Weber zu den Workshop-Teilnehmern. Dies sei eine der wichtigsten Grundlagen des Gamedesigns. „Ich kann nicht sagen, was gut und was schlecht ist.“ In einem kreativen Prozess sei es wichtig, seine eignen Ideen durchzusetzen und an diese zu glauben. Nur auf diese Art und Weise könnten auch neue Innovationen entstehen. „Wenn ihr jemanden von einer Spielidee erzählen würdet, in der ein Klempner mit dem Kopf gegen Backsteine hämmert, um daraus Münzen zu bekommen, würde der euch für verrückt halten“, sagt Weber. Aus der Idee des Klempners und den Backsteinen wurde schließlich Super Mario Bros. und eine der erfolgreichsten Videospielserien aller Zeiten.
Japanische Verpackungen für deutsche Games
Wenn Will Weber über Gamedesign spricht, spürt man seine Leidenschaft für Videospiele und seine Begeisterung für die gesamte Industrie, die er in Deutschland in den Anfangsjahren selbst mitgeprägt hat. Nach einem Ratschlag für die Teilnehmer, folgt direkt der nächste. Weber erzählt von der Praxis und seinen eigenen Erfahrungen als Indie-Entwickler in den späten achtziger Jahren - vermischt dabei Tipps für die angehenden Programmierer mit Episoden aus seiner Zeit als Geschäftsführer eines Videospielunternehmens. Deutsche Videospiele hätten sich damals nur schwer auf dem Markt durchgesetzt, weil man es den Deutschen einfach nicht zugetraut hat, originelle und witzige Spiele zu entwickeln. Will Weber lächelt, wenn er davon erzählt, wie er für seine Spiele japanische Handbücher und Verpackungen anfertigen ließ, damit die Games bei deutschen Publishern besser punkteten. „Deswegen haben wir auch London als unseren Firmensitz angegeben, obwohl wir die Spiele in Offenbach entwickelt haben“, sagt Weber. „Die Vorurteile in der damaligen Zeit gegenüber deutschen Entwicklern waren sehr groß“, fügt er an. Will Weber spricht mit voller Überzeugung und Begeisterung. Müsste er auf der mediale* nicht noch mehr Projekte betreuen und Kontakte pflegen, könnte er noch tagelang mit den Workshop-Teilnehmern über Videospiele reden. Will Weber verkörpert das, was die Gamesbranche auszeichnet: Innovation, Feinfühligkeit, Zielstrebigkeit und Leidenschaft. Genau das möchte er im Workshop an die Teilnehmer weitergeben. Man sollte sensibel sein und seine Ideen immer hinterfragen - aber gleichzeitig sollte man von ihnen und der eigenen Leistung überzeugt sein.
Will Weber spricht über seine Leidenschaft, als würden ihm einhundert Menschen zuhören. Dabei sind weniger Personen als erwartet, der Einladung zum Games-Workshop auf der mediale* gefolgt. Dafür war die Atmosphäre der Veranstaltung umso intimer.
Was die Studios verlangen
„Welche Arbeiten müssen in eine Arbeitsmappe, mit der ich mich bei einem Entwickler bewerbe?“, fragt Schülerin Lea, die gerade ihr Abitur macht. „Alles was man gemacht hat“, sagt Weber. Wichtig sei daher, dass man seine Arbeiten immer beendet und veröffentlicht. Dazu könne man sie einfach auf eine Website stellen - egal ob Filme, Spiele oder Animationen. „Gute Leute werden immer gesucht“, sagt Weber und ergänzt: „Deswegen sollte man seine Arbeiten immer einer Öffentlichkeit präsentieren.“ Solche Projekte könnten eine Visitenkarte sein und die Tür zu Entwicklerstudios öffnen.
Ein interessanter Bewerber sollte aber für die Studios noch mehr bieten. Der Umgang mit 3D-Programmen wird natürlich vorausgesetzt. „Zieht euch so viel rein, wie geht“, sagt Weber. Nur auf diese Art und Weise – durch ein breites Fachwissen im Umgang mit verschiedenen Programmen – würde man für große Studios interessant. „Mit der Animation einer Metallkugel auf einem Schachbrett begeistert man heute kein Entwicklerstudio“, sagt Weber. Stattdessen wäre es wichtig einen breiten Überblick über verschiedene Designprozesse zu haben. Ob Animation, 3D-Modelling, Level-Design oder Charakterdesign – ein angehender Gamedesigner sollte sich in allen Bereichen auskennen und sich erst später auf ein Gebiet spezialisieren.
Ebenso sollten Entwickler gut reden und englisch sprechen, sagt Weber. Eine gute Artikulation ist wichtig, weil bei der Videospielentwicklung verschiedene Prozesse ineinander greifen. Als Level-Designer müsse man sein Mapdesign in Konferenzen klar und präzise vorstellen können, damit das Entwicklerteam einen Eindruck von der Gestaltung gewinnt. Gleichzeitig müssen die Designprozesse aufeinander abgestimmt werden. Diese gelänge nur, wenn ein internationales Entwicklerteam gut miteinander kommuniziert.
Auch von angehenden Games- und Animationsstudenten an der Hochschule Darmstadt werden Kenntnisse in Flash, Art Effects, Adobe Premiere und auch Photoshop verlangt. „Hört sich alles kompliziert an, ist es aber nicht“, sagt Weber. Die Programme könne man sich selbst beibringen, ob über Handbuch oder Youtube-Tutorials. Wichtig sei nur, dass man den Umgang mit vielen Programmen beherrscht.
Will Weber beantwortet jede Frage der Studenten ausführlich und unermüdlich. Es scheint ihm wichtig, dass die Teilnehmer einen richtigen und wirklichen Eindruck von der Game-Industrie gewinnen. Er offenbart auch, dass die Anforderungen in der Branche entsprechend hoch sind. Will Weber spricht, als würde er selbst noch ein Entwicklerstudio leiten. Trotz seiner Professur an der Hochschule Darmstadt, ist er noch fest in der Industrie verwoben und pflegt Kontakt zu fast allen Chefs deutscher Entwicklerstudios. Er kennt japanische Spiele wie Katamari Damacy ebenso, wie den Indie-Überraschungshit des Jahres: Braid. Er verpasst keine Entwicklung in der Branche und verfolgt heutige Entwicklungen genauso leidenschaftlich, wie vor zwanzig Jahren. Und wie vor zwanzig Jahren, so scheint es, schwärmt er von genialen Spielkonzepten und Innovationen in der Branche.
Auch das Klavier in Ecke des Raumes hat Will Weber längst wahrgenommen – vor seiner Zeit als Gamedesigner war er Musiker. Die fehlenden Boxen am Computer ersetzt er kurzerhand durch eine live gespielte Klavierinterpretation. Dabei verdeutlicht er, wie wichtig der Sound in einem Spiel ist und auf welch hohem Niveau jedes Element in einem Computerspiel ausgefüllt sein muss. Während die Workshop-Teilnehmer Spiele antesten, bewegt Will Weber seine Finger über die Tasten des Klaviers und steuert eine Melodie zum Geschehen auf dem Bildschirm bei.
Überraschungen für den Spieler bereithalten
Dazwischen erklärt er auch einige Kniffe des Gamedesigns. So seien kleine Gimmicks in Spielen (Easter-Eggs) immer wichtig um den Spieler zu überraschen und zu belohnen. Ein gutes Spiel schafft daneben Anreize für den Spieler: ein gewisser Rhythmus im Spiel, in dem alle drei Sekunden etwas Neues passiert, halten den Spieler bei Laune.
„Was meint ihr, was könnte man an diesem Spiel verbessern?“, fragt Weber die Teilnehmer während er ein Flashgame vorstellt. „Man könnte Zwischensequenzen einbauen oder die Farbpalette etwas ändern“, sagt Matthias, der im ersten Semster Elektrotechnik studiert, aber in den Animation & Games Studiengang wechseln möchte. Will Weber hat mit seinem Engagement die drei Teilnehmer vom Gamedesign an der Hochschule Darmstadt überzeugt. „Ich werde mich auf jeden Fall für einen Studienplatz bewerben!“, sagt Matthias.
„Ja, es hat sich sehr gelohnt den Workshop zu besuchen“, sagt Lea. Doch würde sie viel lieber in Berlin studieren, weil sie die Stadt mag. Doch ist das Rhein-Main-Gebiet ein Ballungszentrum für die Videospielindustrie in Deutschland. Das hat sie heute noch einmal erfahren. Studieren in Berlin? Das überdenkt Lea nun noch einmal.
Nach der fünfstündigen Einführung in das Thema Gamedesign lächelt Will Weber zufrieden. Er mag es mit Leuten zu sprechen, neue Kontakte zu knüpfen und seine Erfahrungen als Gamedesigner und Geschäftsführer eines Studios, anderen Menschen weiterzugeben. Der zwischenmenschliche Kontakt sei ihm sehr wichtig und gefalle ihm weitaus mehr als seine damalige Arbeit als Geschäftsführer. Engen Kontakt pflegt er vor allem zu seinen Studenten, die ihn alle duzen. Nach dem Workshop geht die Arbeit weiter: ein Interview und die Auswertung des Game Contests stehen an. Für Will Weber ist das keine Arbeit, sondern seine ganze Leidenschaft.










am 14. Januar 2009 um 16:51
[...] Persönlichkeitsbild hat sich verändert – damals war ich Geschäftsführer einer Firma und heute bin ich für Studenten da. Als selbstständiger Entwickler habe ich kommerzielle Ziele verfolgt, heute möchte ich Studenten [...]