"Oil Crisis"Welchen Nutzen haben Jonglierkünste für ein Krustentier? Warum sollten auch Eskimos ein wenig auf ihre Müllentsorgung achten? Kann ein Roboter sich selbst mit Öl versorgen? Fragen, die wir uns so wohl nie selbst gestellt hätten, die aber im Filmblock Animation allesamt beantwortet wurden.

20 Uhr, Zeit für die Tagesschau? Nein, heute nicht. Anders als Montags herrscht reger Andrang am Einlass, der Saal für die Animationsfilme ist zu ¾ gefüllt. Schön für die Filmproduzenten, denn endlich hat die Kinoatmosphäre auch auf der mediale* Einzug erhalten. Bierflaschen ploppen, Köpfe werden zusammengesteckt, es wird gemeinsam gelacht.

Ein Spaziergang durch die Welt des Animationsfilms

Und so stürzte sich das Publikum in eine Filmstunde voller kurzweiliger Unterhaltung. Kurzweilig vor allem"ReadyFuels" deswegen, weil die Animationen alle nur wenige Minuten, teilweise nur Sekunden dauerten. Die Zuschauer bekamen dadurch die ganze Vielfalt des Animationsfilms zu sehen. Neben Stücken, die darauf beschränkt waren eine Animation vorzustellen, gab es auch Kurzfilme, die eine kleine Geschichte erzählten. Diese fanden, ähnlich auch wie die Werbefilme zu (teilweise) fiktiven Produkten besonders viel Anklang. Ein besonderer Augenschmaus war der Spot „ReadyFuels“, der einen Tequilla Sunrise bewirbt, welcher schon in der Flasche in Schichten gelagert ist und sich beim Eingießen zu Getränk mischt.

Tiere – Beliebte Protagonisten

Doch wie war das jetzt genau mit diesen seltsamen Tieren? „Le crabe jongleur“ handelt von einer jonglierenden Krabbe, die anfangs noch recht wenig mit ihren Künsten anfangen kann. In der Meerestierwelt ist bekannt: Zwischen Atlantik und Kochtopf liegt ziemlich genau ein Fangnetz. Das muss die Krabbe am eigenen Leib erfahren, sie findet sich wieder im Aufbewahrungsbecken eines Restaurants. Doch der Weg führt nicht wie erwartet in den Kochtopf. Die Jonglierfähigkeiten (jetzt sogar mit einem putzigen blauen Fisch als Ball) sorgen für Aufsehen, die Krabbe überlebt und zeigt ihre Kunststücke fortan im Schaufenster des Restaurants.

Kein Happy End, aber mindestens ebenso viel Unterhaltung bietet „Bunny Suicides“. Der ein oder andere Leser wird sie kennen, die beliebten Kalender, in denen ein – natürlich total niiiiedlicher -  Hase immer wieder auf’s neue den Freitod sucht. Die Produzenten haben sich eine dieser Varianten angenommen: Suizid durch CD-Laufwerk. Der Hase steckt seinen Kopf durch ein ausgefahrenes CD-Laufwerk und betätigt dann mit der Pfote den „Close“-Knopf. Der Charme des Kalenders wurde wunderbar umgesetzt, denn auch im Film sieht man den Hasen nur kurz vor dem Tod. So verkommt „Bunny Suicides“ nicht zu einem Animationssplatter im Stil der „Happy Tree Friends“, sondern entlockt dem Publikum ein kollektives „Ooooohh…“, welches durch Mitgefühl und auch ein bisschen Amüsement getragen wird.

Schadenfreude ist sehr beliebt

Nicht nur Bunny Suicide zeigt die Affinität der Filmproduzenten zur Schadenfreude. Auch  „The Oil Crisis“ lässt seinen Hauptcharakter am Ende ganz schön alt aussehen. In einer heruntergekommenen Werkstatt leidet ein Roboter an Ölmangel. Dem kann Abhilfe geschaffen werden, mit einem Ölfass, welches einige Meter enfernt steht. Magnetische Kräfte sollen das Fass heranziehen. Das klappt nicht ganz: Nicht nur, dass der Roboter die ganze Werkstatt zerlegt. Am Ende trifft ihn das Fass so heftig, dass er durch die Wand gegen einen Baum befördert wird, das Öl ist natürlich in weiter Ferne. Der Film wusste das Publikum zu unterhalten, auch weil die Hummel Debbie, die zuvor schon in ihrem eigenen Film glänzte, einen Gastauftritt hat. Vernetzung unter Projekten – Tolle Idee!

Kritik in unterschiedlichster Form

Neben schönen Geschichten kamen auch kritische Beiträge nicht zu kurz. „Joe Eskimo“ stellte noch eher eine Mischform dar. Der Protagonist entsorgt gefundene Blechbüchsen nach Verzehr in einem Eisloch, das macht seine Umwelt nicht dauerhaft mit und rächt sich mit ordentlichen Erschütterungen die Joes Hütte zerstören. Im Vordergrund steht jedoch trotzdem eine Geschichte, ein Konflikt zwischen Joe und einer äußerst lästigen Möwe, die dem Angler seinen Fisch streitig machen will (und dabei auch noch Erfolg hat).
Deutlich ernster ging es da in “Sophia” zu. In dem Film macht ein kleines Mädchen auf ihre Armut aufmerksam. Es folgen Statistiken zur Kinderarmut in Deutschland.
Ein klares Statement humoristisch verpackt wählten die Macher von McVodoo. Eine Wahrsagerin zückt ihre Tarotkarten: Death, Poverty, die Fool Karte. Die Fool-Karte? Roland Koch.

Fazit: Ein gelungener Abend

"QBZ"Im Laufe der Vorführung wurden viele gute Ideen und Umsetzungen präsentiert. Die Studenten der Hochschule Darmstadt boten erneut sehr ansehnliche Filmkost. Zwar lagen zwischen den Filmen deutliche Qualitätsunterschiede, dies liegt aber am unterschiedlichen Ursprung. So wirkt manch ein Projektfilm eines Zweitsemesters etwas verloren zwischen den teilweise sehr professionellen Stücken, die manchmal sogar als Bachelor-Arbeit dienen. Das ist aber nicht weiter schlimm, ganz im Gegenteil. Es ist sehr positiv, dass die Studenten auch während des Studiums nicht (nur) für die Schublade produzieren, sondern durch eine Präsentationsmöglichkeit Anreize geschaffen werden.


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