Medienkompetenz - der richtige Umgang mit Medien. Was für hohe Ideale stecken doch hinter diesem Begriff. Was genau der Einzelne davon erwartet, oder in diesem Fall: die Medienindustrie, Hochschule und Politik sollte in der zweiten Podiumsdiskussion der mediale* geklärt werden.

Nach einer recht langen Theorievorstellung seitens der Moderatorin Anette Leßmöllmann kam die Diskussion gemächlich in Gange. Zwischendurch versuchte sie immer wieder zu provozieren und “in Wallung” zu bringen, doch es blieb bei einer reihum Stellungnahme. Einzelne Aussagen vermochten Höhepunkte zu setzen. Aber auch im Negativen: Etwa die “Implosion der Zeitachse”, der “inkrementale Fortschritt” und “dieses Internet”. So lautete auch die häufigste Frage: “Was heißt das konkret?”. Ein Problem vieler Podiumsdiskussionen.

Politik hatte wenig zu sagen

Geladene Gäste waren Björn Sievers, stellv. Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen von FOCUS Online, Tobias Kirchhofer, Geschäftsführer von BlueMars und Mitglied im Gesamtvorstand des BDW - beide als Stellvertreter der Medienindustrie sowie Prof. Bernd Kracke, Präsidiumssprecher der hessischen Film- und Medienakademie, und Prof. Andrea Krajewski, Dekanin des Fachbereichs Media, Hochschule Darmstadt als Stimmen der Hochschulseite. An der Diskussion leider nicht teilnehmen konnte Dr. Thomas Salb, Programmdirektion und Online-Redaktion von arte Deutschland. Ebenfalls verhindert war Bernd Diemer, Game-Artist und Presseleiter der Crytec GmbH. Für ihn sprang Sten Hübler, Lead Level Designer der Crytec GmbH ein. Aus dem Bereich Politik war Reiner Schöler als Head of Division Film and Media des HMWK eingeladen. In der politischen Landesvertretung tätig gewesen, bildete er nur einen halbschweres Gegengewicht zu den Stimmen aus der Wirtschaft.

Etwas mit Medien

Gleich zu Beginn stand die Statistik: Jeder vierte Abiturient wolle etwas mit Medien machen. Treffender Kommentar der Moderatorin: “Irgendwas mit Medien ist nur der Start einer erstaunlichen Reise.” Erst im Laufe des Studiums kristallisiere sich dann heraus, was “Medien” alles sein können. Gerade durch die unvermeidliche Oberflächlichkeit bei einem mehr auf Überblick bedachten Studiengang ist das Engagement des Lernenden wichtig. Kompetenzen als Eigeninitiative.

Prof. Bernd Kracke setzte sich für “Spitzenveredelung im Hauptstudium” ein. Es gäbe 13 unterschiedliche Ausbildungsinstitute in Hessen. Ziel der hessischen Film- und Medienakademie sei es daher, Synergieeffekte für alle durch bewusste Kommunikation über Projekte und Ausbildungsziele der einzelnen Ausbildungsstätten zu schaffen. So sei es auch gelungen, auf der Berlinale ein Screening der besten Kurzfilme unterzubringen. In diesem Fall also: Medienkompetenz durch mehr Kommunikation zwischen den Hochschulen stärken.

Onlinejournalismusrealität

Wie sieht es im Berufsleben aus? Björn Sievers von FOCUS Online sagte, dass besonders die klassischen Tugenden des Journalismus im Onlinebereich fest sitzen müssten. Als ehemaliger Agenturmitarbeiter sieht er die Anforderungen in einer Online-Redaktion als vielschichtiger und daher stressiger. Neben dem Text seien auch Verlinkungen, Bebilderung und Positionierung auf der Website zu organisieren - in der gleichen Zeit. Erprobte Kompetenzen hier also als Grundlage für jegliche Medienarbeit.

Dem schloss sich Tobias Kirchhofer an. Seiner Meinung nach machen es die Hochschulen mit der breiten Ausbildung richtig. Die eigenen Talente sollten dabei gefunden und eigenverantwortlich vertieft werden. Solche Absolventen passen dann auch gut in sein “talentorientiertes Management”. Daran knüpfte sich entsprechende Kritik am Bologna-Prozess, der diese Selbstentdeckung verhindere. Hier Medienkompetenz als Mischung aus Ausbildung und Eigeninitiative.

Dem hinzu fügte er noch die These der “native” und “immigrants”: “native” seien die nach 1985 Geborenen, die die neuen Medien als Selbstverständlichkeit ansähen - im Gegensatz zu den vor 85ern, die sich dem Digitalen Wandel so gut wie möglich angepasst hätten. Dahinter steckt eine viel größere Idee: Medien als individuelle Wege begreifen, ein passender Weg für jede Information, ein gleichwertiges System.

Und manchmal heißt Medienkompetenz auch einfach nur, sich nicht den “Onlinemüll um die Ohren” fliegen zu lassen, sondern sich diesen Müll gar nicht erst zu holen, sprich vorher die Qualität einschätzen zu können.

Und die Moral von der Geschicht?

Wie passt das jetzt alles zusammen? Diese Frage blieb die Diskussion schuldig, eine Zusammenführung fehlte. Vielleicht war das auch der Grund für die fehlenden “Wallungen”. Einig waren sich jedoch alle in einem Punkt: “Man kann im Medienbereich nichts mehr sein, nur noch werden.”


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